Dividendenpolitik, die wir bevorzugen

Wir vom Kyburgvalue machen uns Gedanken darüber, unter welchen Umständen Gewinne in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen ausgeschüttet oder einbehalten werden sollen.
Um die Dividendenpolitik eines Unternehmens zu beurteilen, ist es wichtig, dass man versteht, dass Gewinne nicht alle auf die gleiche Art und Weise erwirtschaftet werden. Alle die Unternehmen, die im Verhältnis einen hohen Anteil des Vermögens zum Gewinn ausweisen, führt die Geldentwertung dazu, dass ein Teil des ausgewiesenen Gewinns nicht echt ist. Der unechte Anteil kann nämlich nicht als Dividende ausgeschüttet werden, wenn das Unternehmen seine vorteilhafte Position behalten soll. Schüttet das Unterernehmen diese Gewinne trotzdem aus, würde sie entweder ihre Fähigkeit, die Absatzmenge zu halten, verlieren oder ihre langfristige Wettbewerbsposition und ihre Finanzkraft schwächen. Deshalb ist zumindest der unechte Teil des Gewinns in das Unternehmen gebunden.

Gebundene Gewinne sind für den Aktionär nicht wertlos, aber sie sollten abdiskontiert werden, weil sie wieder in das Unternehmen längerfristig investiert werden. Was aber uns interessiert, sind die Gewinne, die für die Aktionäre frei verfügbar sind. Kyburgvalue vertritt die Meinung, dass die Geschäftsführer des Unternehmens entscheiden sollten, was für den Eigentümer mehr Sinn machen würde. Unserer Meinung nach gibt es nur einen plausiblen Grund für die Einbehaltung der Gewinne. Frei verfügbare Gewinne sollten dann einbehalten werden, wenn die Chancen gut sind, dass jeden einbehaltenen Franken, wenigstens ein Franken Marktwert erwirtschaftet werden kann. Das ist nur dann der Fall, wenn das einbehaltene Vermögen zusätzliche Gewinne erzielen kann, die wenigstens so hoch sind, wie generell vom Investor anderswo erzielbar wäre.
Um es zu veranschaulichen, nehmen wir mal an, ein Anleger besitze eine risikolose ewige Anleihe, die zu 5% verzinst wird. Diese Anleihe hat einen besonderen Charakter. Jährlich darf der Eigentümer dieser Anleihe wählen, ob er die 5% Zinsen bar ausbezahlt haben möchte oder ob er sie wieder zu 5% in diese Anleihe wieder investieren möchte.

  • Wenn der marktübliche Zinssatz für eine ewige risikolose Anleihe bei 3% läge, wäre es für den Investor vernünftiger, wenn er die Zinsen wieder in die 5%ige Anleihe investieren würde. Unter diesen Umständen, sollte der Anleger, der zwingend Bargeld haben möchte, die Zinsen in die 5%ige Anleihe reinvestieren und es sofort wieder verkaufen, weil diese Anleihe mehr Wert als 100% des Nominalbetrag in Franken sein wird. Auf diese Weise würde der Anleger mehr Geld erhalten, als wenn er sich die Zinsen bar auszahlen lassen würde.
  • Wenn der marktübliche Zinssatz für eine ewige risikolose Anleihe bei 8% läge, würde niemand seine Zinsen wieder zu nur 5% wiederanlegen. Der rationale Investor würde, selbst wenn er dieses Geld nicht benötigt, die aufgelaufenen Zinsen bar auszahlen lassen. Falls er 5%ige Anleihen haben möchte, könnte der Anleger sich die Zinsen auszahlen lassen und die 5%ige Anleihe auf dem Markt günstiger als 100% des Nominalwerts kaufen.

Eine ähnliche Betrachtung wie die oben erwähnte ist für die Eigentümer, die darüber nachdenken, ob die frei verfügbaren Gewinne eines Unternehmens ausgeschüttet oder einbehalten werden sollten. Wir verstehen, dass die Analyse viel schwieriger und anfällig für Fehler ist, da die Renditen der einbehaltenen Gewinne nur eine Schätzung sind und keine vertragliche vereinbarte Grösse wie bei den Anleihen darstellen. Der Aktionär muss zuerst die mittelfristige durchschnittliche Rendite schätzen. Die Reinvestition der Gewinne ist dann wünschenswert, wenn zu erwarten ist, dass sie hohe Renditen erwirtschaften werden. Sie sollten aber ausgeschüttet werden, wenn die Renditen der Reinvestition der Gewinne vermutlich tief sein werden.
Die oben erwähnte Betrachtung berücksichtigt, natürlich nur den ökonomische Aspekt der Dividenden. Verständlicherweise bevorzugen Aktionäre von Publikumgesellschaften beständige und berechenbare Dividenden. Deswegen sollten Dividendenzahlungen die langfristigen Gewinn- und Renditeerwartungen auf zusätzliches Vermögen widerspiegeln. Weil die langfristigen Unternehmensaussichten sich nur selten ändern, sollte auch das Dividendenmodell nicht öfter geändert werden.

 

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